Schulreformen in Italien und ihre Umsetzung in Südtirol
Höllrigl Peter/Meraner Rudolf/Promberger Kurt (Hrsg.)
Band 2 der Schriftenreihe Public Management
StudienVerlag
Innsbruck, Wien, Bozen 2005
ISBN 3-7065-4191-2

Abstract

Publikation - Hoellrigl Meranter Promberger - Schulreformen in Italien / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn vielen Ländern Europas sind die Themen „Schulreform“ und „Autonomie der Schulen“ ein fester Bestandteil der Bildungspolitik. Die Reformbestrebungen beschränken sich dabei nicht nur auf diesen Bereich, sondern sind eingebettet in die allgemeinen Bemühungen zu einer am New Public Management (NPM) orientierten Neuausrichtung der öffentlichen Verwaltung. Bei aller Unterschiedlichkeit in den eingeschlagenen Reformwegen lässt sich ein Muster deutlich erkennen. Dieses zeigt sich darin, dass die Bildungspolitik Maßnahmen einleitet, das traditionell zentralistisch aufgebaute Schulsystem zu dezentralisieren. Dabei werden den dezentralisierten Einheiten mehr Kompetenzen eingeräumt und die einzelnen Schulen mit größerer Autonomie ausgestattet. Geleitet wird dieser Prozess von der Überzeugung, dass Schulen nur dann effizient und effektiv arbeiten können, wenn diese für ihre eigenen Handlungen und deren Konsequenzen verantwortlich sind. In den frühen neunziger Jahren hat auch Italien – wenngleich mit zeitlicher Verzögerung zu anderen OECD-Ländern – mit einer umfassenden Verwaltungsreform begonnen. Insbesondere die unter den Mitte-Links-Regierungen der Ministerpräsidenten Romano Prodi und Massimo D’Alema verabschiedeten Reformgesetze, die nach Minister Franco Bassanini auch als „Bassanini-Reformen“ bezeichnet werden, stellen die rechtlichen Grundlagen für die Umsetzung des New Public Management (NPM) in Italien dar. Diese Reformen orientieren sich am Verwaltungsmodernisierungsprogramm der Clinton-Gore-Regierung für die US-Amerikanische Bundesverwaltung, das im Jahre 1993 gestartet wurde. Sowohl in Italien als auch in den USA wird dabei vor allem das Ziel verfolgt, die Größe der öffentlichen Verwaltung zu reduzieren. Ein weiteres Anliegen ist es, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen des Staates und zwischen öffentlichem und privatem Sektor neu zu gestalten, die Organisationen der öffentlichen Verwaltung ergebnisorientiert zu führen, um ihre Leistungen wirksamer und kostengünstiger zu erbringen. Angestrebt wird eine Verwaltung, in der die Eigenverantwortung der öffentlich Bediensteten gestärkt wird und sich die Bereitstellung des öffentlichen Dienstleistungsangebots an den Bedürfnissen der Bürger (Kunden) orientiert. Schließlich soll der Zugang zu öffentlichen Leistungen durch den Abbau bürokratischer Hemmnisse verbessert werden.

Obwohl die Reformziele in Italien und in den USA ähnlich waren, wurden jedoch unterschiedliche Wege zur Zielerreichung eingeschlagen. Grundlage für die Verwaltungsdezentralisierung in Italiens Schulbereich und die Autonomie der Schulen ist das „Bassanini-Gesetz I“ (Gesetz Nr. 59/1997). Dabei werden den einzelnen – mit Rechtspersönlichkeit ausgestatteten – Schulen schrittweise Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten der Ministerialverwaltung und der zentralstaatlichen Verwaltungen in den Regionen und Provinzen (Schulämtern) übertragen.

Die vorliegende Publikation spannt einen weiten Bogen über die bisherigen und aktuellen Reformbestrebungen in Italiens Schulbereich. Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden die Themen Schulreformen und Autonomie der Schulen in Italien sowie deren Umsetzung in Südtirol, eingeordnet in den Kontext des New Public Management.

Zielgruppe des Buches sind alle Leser, die einen systematischen Überblick über bisherige und aktuelle Reformbestrebungen in Italiens Schulbereich suchen, insbesondere Führungskräfte des Schulsystems sowie Lehrerinnen und Lehrer.

Das Buch gliedert sich thematisch in sechs Kapitel, in denen folgende Inhalte behandelt werden.

Kapitel I gibt einen Überblick über die Verwaltungsmodernisierung im Zeitalter des New Public Management (NPM), indem Ursprünge, Ziele und Grundprinzipien des NPM dargestellt werden. In diesem Kapitel finden sich darüber hinaus die rechtlichen Grundlagen der Verwaltungsmodernisierung in Italien, wobei zunächst insbesondere auf die „Bassanini-Reformen“ (Bassanini-Gesetze I bis IV) eingegangen wird. Schließlich werden die Modernisierungsfelder in Italiens öffentlicher Verwaltung beschrieben, Bezug nehmend auf die entsprechenden zentralstaatlichen Rechtsnormen. Im Einzelnen sind dies Verwaltungsdezentralisierung, Regulierungsreform und -management, Reorganisation der zentralstaatlichen Verwaltung, Modernisierung des Personalwesens, Bürgerorientierung und Qualitätsmanagement, Electronic Government, Neugestaltung des öffentlichen Haushalts- und Rechnungswesens sowie Privatisierung.

Kapitel II gibt einen Überblick über das Schulsystem in Italien, wobei neben allgemeinen Daten die Struktur der zentralstaatlichen Schulverwaltung (Ministerium für Unterricht, Universität und Forschung und Schulämter) dargestellt wird. Weiters wird kurz auf die Finanzierung der Schulen eingegangen.

Die Schulreform in Italien ist Gegenstand von Kapitel III der Publikation. Sie umfasst im Einzelnen die Neuordnung der Schulstufen nach dem aktuellen „Moratti-Gesetz“ (Gesetz Nr. 53/2003), die Reform der staatlichen Abschlussprüfung, die Neustrukturierung der Schulverwaltung auf zentralstaatlicher und peripherer Ebene sowie die Neuordnung der territorialen Kollegialorgane im Schulbereich.

In Kapitel IV werden die Ausprägungsformen der Autonomie der Schulen in Italien analysiert. Beschrieben werden hier auch die Aufgaben der Führungskräfte (Schuldirektoren und Schulsekretäre) in Italiens Schulen sowie deren Aus- und Weiterbildung und Ernennung. Weiters werden didaktisch-organisatorische und finanzielle Steuerungsinstrumente dargestellt sowie Qualitätssicherung und -evaluation, Electronic Government und Kundenorientierung in Italiens Schulsystem.

Kapitel V hat die Umsetzung der Schulautonomie und -reform in Südtirol zum Inhalt. Neben allgemeinen statistischen Daten und Hinweisen zu Besonderheiten der Schule in Südtirol und einer Beschreibung der Organisation und der Aufgaben des Deutschen Schulamtes werden zudem Aufbau und Kernaufgaben der Pädagogischen Institute in Südtirol, Italien und Österreich dargestellt. Darüber hinaus beinhaltet dieser Abschnitt eine ausführliche Beschreibung der Entstehung des Landesgesetzes „Autonomie der Schulen“ und die inhaltlichen Unterschiede zu den zentralstaatlichen Rechtsnormen. Abschließend beleuchtet das Kapitel Elemente des Qualitätssicherungssystems für die deutsche Schule und die Umsetzung der Schulreform in Südtirol.

Im abschließenden Kapitel VI werden die Ergebnisse der PISA Studie 2003 bezogen auf Südtirol den deutschsprachigen Ländern und Italien vergleichend dokumentiert.

Die Autoren danken an dieser Stelle Herrn Dr. Walter Egger, ehemaliger Inspektor am Deutschen Schulamt der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol und Mitglied der Kommission „Autonomie der Schulen“ für seine wertvollen Anregungen bei der Erstellung des Manuskripts.

Die Herausgeber: Bozen, im August 2005

Peter Höllrigl
Rudolf Meraner
Kurt Promberger
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