Controlling für Politik und öffentliche Verwaltung
Promberger Kurt
Wien, 2002
ISBN 3-7046-0472-0

Publikation - Controlling für Politik und öffentliche Verwaltung / Zum Vergrößern auf das Bild klickenIn Politik und öffentlicher Verwaltung hat das "Controlling" gegenwärtig Hochkonjunktur. Immer mehr Politiker (auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene) beschließen die Einführung von "Controlling", in der Folge werden sogar eigene Controller-Planstellen geschaffen werden und in den Geschäftsverteilungsplänen der Organisationen der öffentlichen Verwaltung ist die Bezeichnung "Controlling" immer häufiger zu finden. Letzteres deutet darauf hin, dass der Kampf um die Verteilung der "Controlling-Kompetenzen" bereits voll eingesetzt hat.
Ob in diesen Organisationen das "Controlling" auch tatsächlich gelebt wird, darf zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch bezweifelt werden. Dies allein schon deshalb, weil das "Controlling" im Bereich der staatlichen Verwaltung inhaltlich noch nicht ausreichend klar umrissen ist und daher noch große Interpretationsspielräume bestehen. In dieser Projektionsoffenheit liegt auch ein Grund für die Beliebtheit des Controlling. So kann jeder (Politiker wie öffentlich Bediensteter) seine Reformvorstellungen in das "Controlling" hineinpacken und für seine Zwecke "nutzbar" machen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt besteht durchaus die Gefahr, dass das Controlling in Politik und öffentlicher Verwaltung zu einem System der "Selbst- und Fremdtäuschung" wird, das mehr der Beschönigung des "Status quo" als der Steigerung der Zweckmäßigkeit (Effektivität) und Wirtschaftlichkeit (Effizienz) der öffentlichen Leistungen dient.

Dieses Buch versucht die noch "vagen" Vorstellungen über den Inhalt und die Funktionsweise von "Controlling" in Politik und öffentlicher Verwaltung zu konkretisieren, um einerseits möglichen "Fehlentwicklungen" bzw. "mißbräuchlichen" Verwendungen des Controlling entgegenzuwirken und andererseits sicherzustellen, dass dieses, in der Unternehmenspraxis bewährte betriebswirtschaftliche Konzept, auch unter den Rahmenbedingungen der öffentlichen Verwaltung seine effektivitäts- und effizienzsteigernden Wirkungen entfalten kann.

Die vorliegende Arbeit beruht sowohl auf einer umfassenden Analyse der wissenschaftlichen wie praxisorientierten Controlling-Literatur als auch auf praktischen Erfahrungen aus mehreren Controlling-Projekten, die der Verfasser durchgeführt hat.

Diese Publikation wendet sich an alle Führungskräfte der öffentlichen Verwaltung (Politiker wie öffentlich Bedienstete) auf allen Ebenen der staatlichen Verwaltung (Bund, Länder, Gemeinden), die mit der Aufgabe konfrontiert sind, die personellen und finanziellen Ressourcen wirtschaftlich (effizient) einzusetzen und zweckmäßige (effektive) Leistungen zu erbringen, die sich sowohl an den Bedürfnissen der Kunden bzw. Bürger als auch an den zur Verfügung stehenden budgetären Mitteln orientieren. Kaum eine Führungskraft in der öffentlichen Verwaltung weiß gegenwärtig, welche der öffentlichen Leistungen welche Kosten verursacht, wie die erbrachten Leistungen von den Leistungsabnehmern bewertet werden und wie diese in Hinkunft zu finanzieren sind. Die Folge sind Defizite bei der Steuerung der Effektivität, der Effizienz und des Finanzmittelbedarfes einer Gebietskörperschaft.

"Controlling für Politik und öffentliche Verwaltung" ist in fünf Kapitel gegliedert, in denen folgende Inhalte thematisiert werden.

Das Kapitel 1 setzt sich mit den "Grundlagen des Controlling" auseinander. Ausgehend von den historischen Wurzeln des "Controlling" werden Begriff, Funktionsweise und Nutzen des "Controlling" eingehend dargestellt und das "Controlling" von anderen Funktionen (Kontrolle, Überwachung, Revision etc.) bzw. Funktionsträgern (Interne Revision, Rechnungshof) abgegrenzt. Daran anschließend werden die Rahmenbedingungen der Organisationen der öffentlichen Verwaltung dahingehend analysiert, inwieweit sie ein Controlling fördern bzw. hemmen und welcher Veränderungsbedarf sich daraus ableitet. Weiters wird aufgezeigt, daß das Controlling ein "Neues Verwaltungsmanagement (New Public Management)" erfordert, wie es beispielsweise im "Tilburger Modell" zum Ausdruck kommt.

In Kapitel 2 wird ein konzeptioneller Rahmen für das strategische Controlling vorgeschlagen, der den Bedingungen politisch-administrativer Systeme besser entspricht als die bis jetzt propagierten, die eher Versuche darstellen, die Methoden des strategischen Unternehmenscontrolling auf Politik und öffentliche Verwaltung zu transformieren. Dementsprechend bildet der aus der Verwaltungsforschung stammende "Public-Policy-Prozeß (Politikerzeugungs- und -durchsetzungsprozeß)" den Bezugsrahmen für das strategische Controlling. Idealtypisch betrachtet setzt er sich aus den Phasen Programmentwicklung, Programmbudgetierung, Programmausführung und Programmevaluation zusammen, deren Zusammenspiel einer Steuerung bedarf. Die Aufgabe des strategischen Controlling wird in der effektivitäts- und effizienzorientierten Steuerung staatlicher Programme gesehen.

Das Kapitel 3 beschäftigt sich mit dem operativen Controlling, d. h. mit der Steuerung der Organisationen der öffentlichen Verwaltung und ihrer Subeinheiten (Verantwortungsbereiche), unabhängig davon, in welcher Phase des Public-Policy-Prozesses sie ihren Arbeitsschwerpunkt haben. Jeder Leiter eines Verantwortungsbereiches (Organisationseinheit) muß, um steuern zu können, Ziele formulieren, geeignete Maßnahmen zur Zielerreichung festlegen, diese mit der Ressourcensituation abstimmen, die Mitarbeiter führen, durch Soll-Ist-Vergleiche den Zielerreichungsgrad kontrollieren und bei Fehlentwicklungen rechtzeitig Korrekturmaßnahmen ergreifen.

In Kapitel 4 wird erläutert, wer (Führungskräfte, Controller etc.) die Funktionen des strategischen und operativen Controlling (Steuerung der Effektivität, der Effizienz und des Finanzmittelbedarfes) übernehmen kann, d. h. wie sie in der Aufbau- bzw. Strukturorganisation der Gebietskörperschaften verteilt werden können. Dies wird auch an Hand eines Beispiels aus einer Landesverwaltung demonstriert. Darüber hinaus wird das Beziehungsfeld "Führungskräfte" und "Controller" näher beleuchtet und Anforderungen an den "Controller" formuliert.

Das abschließende Kapitel 5 untersucht die Faktoren einer erfolgreichen Controlling-Implementierung. Im Anschluß wird ein Implementierungskonzept vorgeschlagen, das sich einerseits aus theoretischen Überlegungen und andererseits aus praktischen Erfahrungen ableitet. Weiters umfaßt dieses Kapitel auch Überlegungen zu einem Controlling-Ausbildungskonzept für große Gebietskörperschaften und ein Rollenspiel, mit dessen Hilfe die Probleme bei der Implementierung von Controlling in den Organisationen der öffentlichen Verwaltung simuliert werden können.
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