Publikation Promberger Frueh Bernhart - E-government
E-Government - Konzepte, Modelle und Erfahrungen



Promberger Kurt/Früh Günther/Bernhart Josef (Hrsg)
Wien, 2010
ISBN 978-3-7073-1745-9

Abstract

Publikation - Promberger Frueh Bernhart - E-Government / Zum Vergrößern auf das Bild klickenSeit über 20 Jahren gibt es in vielen entwickelten Staaten mehr oder weniger intensive Bemühungen, die internen und externen Geschäftsprozesse ihrer politisch-administrativen Systeme mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zum Nutzen der Zivilgesellschaft (Bürger, NGOs, Interessensvertretungen) und der Wirtschaft (Unternehmen) schneller, effizienter und effektiver zu gestalten. All diese Anstrengungen werden häufig unter der Bezeichnung „e-Government“ zusammengefasst. Getrieben wird diese Entwicklung vom technologischen Fortschritt, der neue Interaktionsformen zwischen Staat und Gesellschaft ermöglicht.

Wie die Ergebnisse der achten E-Government-Benchmarkstudie von Capgemeni aus dem Jahre 2009 zeigen, steigt die vollständige Online-Verfügbarkeit von öffentlichen Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen in den Staaten der EU kontinuierlich. Seit dem Jahr 2001 wird der Fortschritt des E-Government in der EU gemessen. Dabei werden 20 Dienstleistungen von öffentlichem Interesse an Hand von ca. 14.000 Internetseiten von öffentlichen Verwaltungen in 31 europäischen Ländern untersucht. Österreich, Malta, Portugal, das Vereinigte Königreich, Schweden und die Slowakei sind die Länder mit den meisten vollständig online umgesetzten Dienstleistungen.

Abgesehen von der empirischen Bestätigung dieser positiven Entwicklung der Digitalisierung öffentlicher Dienste zeigt die Studie deutlich auf, dass es eine beträchtliche Diskrepanz zwischen der Online-Verfügbarkeit von öffentlichen Dienstleistungen und ihrer tatsächlichen Nutzung (Bürger, Unternehmen) gibt. Daraus kann abgeleitet werden, dass in Hinkunft der Usability (Bedienerfreundlichkeit) als Grundlage für die Akzeptanz der Online-Dienste der öffentlichen Verwaltung mehr Augenmerk geschenkt werden muss.
Die Steigerung der User-Zahlen ist nicht nur unter Effizienzgesichtspunkten wichtig, sondern auch für die Erhöhung des Vertrauens in die öffentliche Verwaltung. Eine Voraussetzung für eine höhere Akzeptanz der digitalen Verwaltung seitens der Bürger ist ein positives Nutzererlebnis. Dieses kann durch die Qualität des Zugangs über Portale, die Einfachheit der Bedienung, die Personalisierung der Applikationen, und durch eine verständlichere Informationsaufbereitung beeinflusst werden. Die End-User Beteiligung kann auch durch Instrumente wie Web 2.0 Technologien und Social Networks gesteigert werden. Länder wie Österreich, Dänemark, Estland oder die Niederlande bieten hier gute Beispiele.

Die vorliegende Publikation entstand im Rahmen eines von der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol finanzierten Forschungsprojektes zum Stand und zu den Entwicklungsperspektiven von E-Government in den öffentlichen Institutionen Südtirols.
 
Das Buch „E-Government – Konzepte, Modelle und Erfahrungen“ wendet sich an Führungskräfte und Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung unterschiedlicher Ebenen und Bereiche sowie an alle, die sich zum Thema in Diskussion und Umsetzung beteiligen. Dieses Buch gliedert sich in insgesamt acht Kapitel, welche die nachstehend kurz skizzierten Inhalte aufweisen.

Das erste Kapitel beginnt mit einer Begriffsbestimmung von E-Government und beinhaltet weiters dessen Anwendungsbereiche, Beziehungsebenen und Interaktionsstufen. E-Government ist eine vielschichtige „Materie“ mit enormen Potentialen und keinesfalls nur auf die Bereitstellung von elektronischen Diensten und die Informatisierung der Verwaltung reduziert. Abschließend wird auf die Problematik ungleicher Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten bezüglich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) eingegangen.

In Kapitel zwei werden die wichtigsten E-Government-Strategien und Programme der Europäischen Union vorgestellt. Die Einführung von E-Government-Lösungen in den EU-Mitgliedsstaaten stellt ein wichtiges Ziel dar, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsraumes Europa zu stärken. Die entsprechenden Initiativen dienen insbesondere dazu, den Einsatz der IKT und die Internetnutzung für Bürger und Unternehmen umfassend zu fördern, um Effizienz- und Effektivitätssteigerungen zu bewirken und die Bürgerbeteiligung zu stärken.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit E-Government in Italien im Kontext der Verwaltungsmodernisierung. Hierzu werden das Verständnis von E-Government in Italien sowie Modelle und Aktionspläne unterschiedlicher Ebenen und Bereiche vorgestellt und beschrieben. Ein Beispiel auf regionaler Ebene ist das ICAR-Projekt, um die Integration und Vernetzung von Systemen und die Zusammenarbeit von Körperschaften zu verbessern. Das Projekt ICAR erstreckt sich vom Gesundheitsbereich über die Verwaltung anagrafischer Daten bis hin zur regionalen Kraftfahrsteuer. Insgesamt nehmen 19 Regionen und zwei Autonome Provinzen am Projekt teil, darunter auch die Autonomen Provinzen Trient und Bozen.

Im vierten Kapitel werden Entwicklung und Umsetzungsstand des E-Government in Südtirol im Kontext von Gesellschaft, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung dargestellt. Die E-Government-Anfänge in Südtirol können mit dem Aufbau des Südtiroler Bürgernetzes im Jahr 1995 datiert werden. Seitdem ist eine kontinuierliche Weiterentwicklung erfolgt und mit dem Landeskompetenzzentrum und einer eigenen Lenkungsgruppe sind wichtige Voraussetzungen für die behördenübergreifende E-Government-Offensive geschaffen worden.

Kapitel fünf präsentiert ein praxisorientiertes Vorgehensmodell für den Ausbau von E-Government, das interessierten Körperschaften aller Ebenen Hilfestellungen, strukturierte Vorgaben und konkrete Vorschläge für den erfolgreichen Ausbau ihrer E-Government-Angebote liefert. Das Vorgehensmodell soll in einer praxisnahen Herangehensweise dazu beitragen, E-Government in der öffentlichen Verwaltung weiter zu fördern und insbesondere die Online-Umsetzung von Verwaltungsverfahren zu unterstützen.

Das sechste Kapitel widmet sich dem Thema der Messung und Senkung von Bürokratiekosten mit Bezug zum E-Government. Nahezu alle europäischen Länder einschließlich der EU setzen derzeit darauf, Unternehmen und Bürger durch geringere Bürokratiekosten zu entlasten und nutzen zu deren objektiver Messung das Standardkostenmodell (SKM). Neben einfacheren Gesetzen und weniger Doppelgleisigkeiten lassen sich die Bürokratiekosten vor allem durch optimierte Vollzugsprozesse senken. Hier setzt das Entlastungspotential von E-Government-Lösungen an, indem Prozesse überarbeitet und dadurch mehr Effizienz und Dienstleistungsorientierung in der öffentlichen Verwaltung möglich wird.

In Kapitel sieben wird beschrieben, wie bei den österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaftswahlen im Mai 2009 erstmals zusätzlich zum klassischen Wahlkanal die Möglichkeit der Stimmabgabe mittel E-Voting bestand. In dem vom österreichischen Wissenschaftsministerium gestarteten Pilotprojekt galt es die rechtliche und technische Umsetzung des Projektes vorzunehmen, die Wahlverwaltung zu modernisieren sowie die Zielgruppe der Studierenden mit der Bürgerkarte auszustatten. Die Autoren beschreiben in ihrem Beitrag die bei der Umsetzung gemachten Erfahrungen.

Kapitel acht zeigt anhand des Projektes „Public IT Assessment Framework“ (PITAF), wie Entscheidungsträger Investitionen in Informationstechnologien durch den Nachweis ihres Nutzens rechtfertigen können. Da bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt vielfach einfache, pragmatische und plausible Berechnungs- und Vorgehensmodelle zur Messung des Erfolges von IT-Investitionen fehlen, wurde mit dem Projekt PITAF begonnen. Ziel ist die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten und zugleich praxisorientierten Modells der Nutzenmessung von Informationssystemen. Damit das Vorgehensmodell von der Verwaltungspraxis umfassend angewandt werden kann, steht ein eigenes Softwaretool zur Verfügung, um IT-Projekte standardisiert und autonom auf deren Nutzen hin zu überprüfen.
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